Gärtnerbörse

1901 gründete Wilhelm Josef Beltz in Köln die "Rheinische Gärtnerbörse", von der er hoffte, dass sie "allerwärts eine freundliche Aufnahme findet". Am 5. Oktober 1901 erschien die erste Ausgabe mit acht Seiten auf dünnem, rosafarbenem Papier. Zielgruppe waren vor allem "Kunst- und Handelsgärtner, Blumenhändler, Baumschulen und Samenhandlungen" im westdeutschen Raum, die die Zeitschrift kostenlos zugeschickt bekamen. Sie finanzierte sich über Anzeigen. Das Blatt erschien am 5., 15. und 25. jeden Monats. Der redaktionelle Teil beschränkte sich anfangs auf einen "Briefkasten", in dem die Redaktion Anfragen von Lesern beantwortete. Daneben gab es Marktberichte, Verbandsmitteilungen sowie Hinweise auf Fachausstellungen und neue Kataloge. Der Umfang erhöhte sich bis 1904 auf bis zu 24 Seiten.

1914 begann der Erste Weltkrieg. Ab Oktober 1917 musste Beltz wegen Papiermangel die Erscheinungsweise auf zweimal monatlich umstellen. 1918 lag der Umfang nur noch bei sechs bis acht Seiten. Der Gratisversand der Zeitschrift war 1920 aus Kostengründen nicht länger zu halten. Ab Juli 1920 mussten die Bezieher fünf Mark pro Halbjahr entrichten. Am 9. März 1921 starb Beltz mit 74 Jahren. Sein Sohn Josef Beltz führte die Zeitschrift als Verleger und verantwortlicher Redakteur fort. Ab Januar 1922 erschien die Rheinische Gärtnerbörse wieder dreimal monatlich. Die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich, Beltz musste die Erscheinungsweise ab Januar 1923 auf zweimal monatlich reduzieren.

Ab Oktober 1928 erschien die Zeitschrift im "Rheinischen Verlag für Wein- und Gartenbau Karl Krause" in Bingen. Schriftleiter war weiterhin Josef Beltz. Zum 1. März 1931 kaufte Dr. Rudolf Georgi, damals Geschäftsführer des Binger Verlages, die "Rheinische Gärtnerbörse" von Krause. Er verlegte den Erscheinungsort am 1. Juli 1932 nach Aachen, wo sein Großvater 1862 eine Druckerei gekauft hatte.

Schriftleiter der Rheinischen Gärtnerbörse war ab dem 1. April 1933 Arthur Schönenberg (1896-1960), der seit 1929 als Anzeigenvertreter bei der Zeitschrift tätig war. Der redaktionelle Teil gewann an Umfang. So erschienen Fachartikel über Sorten, Düngung, Kulturtechnik oder Pflanzenschutz. In den 1930er-Jahren veranstaltete die Rheinische Gärtnerbörse Studienreisen, so 1937 nach Paris zur Weltausstellung oder 1938 zu den Genter Floralien.

Ab April 1938 hieß die Zeitschrift "Deutsche Gärtnerbörse". Aus Papierersparnis wurde im September 1939, nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, der Textteil um 50 Prozent vermindert. Im Oktober 1939 hieß es dann: "Mehr Gemüse - weniger Blumen". Im Juli 1941 wurde der Verlag Opfer eines Bombenangriffs – trotzdem und auch trotz des allgemeinen Papiermangels erschien die Deutsche Gärtnerbörse weiter. Zum 1. April 1943 wurden mehrere Gärtner-Zeitschriften zusammengelegt und erschienen fortan 14-tägig als Deutsche Gärtnerbörse. Bis dahin war die Zeitschrift noch dreimal monatlich erschienen.

Inhaltlich stand der Gemüsebau im Vordergrund. Trotz der Kriegszeit fanden sich 1943 im Anzeigenteil Angebote von Zierpflanzen, zum Beispiel Petunien-, Fuchsien- oder Cyclamen-Jungpflanzen sowie Sämereien. Die Ausgabe vom 31. Dezember 1943 umfasste nur noch sechs Seiten. Ab Herbst 1944 konnte und durfte die Deutsche Gärtnerbörse dann vorerst nicht mehr erscheinen. Aachen wurde befreit, der Verlag zerstört. Vier Mitarbeiter kamen ums Leben. Bis 1948 musste die Zeitschrift eine Zwangspause einlegen.

Am 10. Juni 1948 begann ein neues Kapitel in der Geschichte der Deutschen Gärtnerbörse. Sie erschien 1948 und 1949 zweimal monatlich als "Sammelanzeigenblatt" ohne redaktionellen Inhalt. Die erste Ausgabe vom 10. Juni umfasste nur sechs Seiten. Seit 1950 gab es wieder einen redaktionellen Teil, die Zeitschrift erschien zudem wieder dreimal monatlich.

Bis 1954 leitete Arthur Schönenberg weiter die Redaktion. Seit 1951 arbeitete sein Sohn Norbert (1928-2004) gelegentlich für die Deutsche Gärtnerbörse. Von 1955 bis 1960 war Gerhard Klette verantwortlicher Redakteur. 1960 stellte der Verlag die Erscheinungsweise auf wöchentlich um. Klettes Nachfolger war bis 1964 Dr. H. Samulowitz. Ihm folgte Norbert Schönenberg als verantwortlicher Redakteur. Von 1965 bis 1967 unterstützte ihn Gerhard Weidinger. 1970 trat Christian W. Koehler zusätzlich in die Redaktion ein. Er wurde 1974 verantwortlicher Redakteur, als Schönenberg ausschied.

Am 5. September 1976 starb Dr. Rudolf Georgi 74-jährig. Seine Söhne Werner (Jahrgang 1934) und Manfred (Jahrgang 1938) führten die Verlagsgeschäfte weiter. Der nächste größere Einschnitt folgte 1977 mit der Fusion der Deutschen Gärtnerbörse und der 1896 gegründeten Gartenwelt aus dem Verlag Paul Parey. Die Zeitschrift hieß ab Juli 1977 "Gb+Gw Gärtnerbörse und Gartenwelt". Die Redaktionen wurden zusammengelegt. Koehler betreute den aktuellen Außenteil, Dr. Reiner Deppe und Margarete Born von der Gartenwelt den fachlichen Innenteil. Deppe (Jahrgang 1920) war seit 1955 Redakteur der Gartenwelt. Die Zeitschrift erschien weiter wöchentlich. Erstmals gab es Farbfotos.

1982 stellte der Verlag Walter Helfert als Redakteur ein. Deppe ging 1983 in den Ruhestand, Koehler verließ 1984 die Redaktion. 1987 endete Helferts Ägide. Das Vakuum füllten kurzfristig Deppe und dann Weidinger aus. Von April 1988 bis Mitte 1990 lenkte Werner Fikuart die Geschicke der Gb+Gw. 1989 erhielt die Titelseite ein neues Aussehen. Fikuarts Nachfolger war von April 1990 bis Mitte 1997 Andreas von der Beeck. Seit 1994 hieß die Zeitschrift nur noch "Gärtnerbörse", die Titelseite änderte sich erneut.

1997, nach 66 Jahren, endete die Ära Georgi mit dem Beginn der Kooperation zwischen dem Georgi-Verlag und Thalacker Medien, in dessen Folge die Partner zum 1. März 1997 gemeinsam den Verlag NGM Neue Gartenbaumedien gründeten. Titel- und Innenlayout änderten sich ab Januar 1997, die Erscheinungsweise wurde von wöchentlich auf zweimal monatlich umgestellt. Die Zeitschrift wurde inhaltlich gestrafft. Von Juli 1997 bis Ende 2001 war Matthias Donners verantwortlicher Redakteur. Als weitere feste redaktionelle Mitarbeiter seit 1990 seien genannt: Therese Backhaus-Cysyk, Cordula Falbe-Flüthmann, Heike Stommel, Klaus Taubitz, Heinrich Dreßler, Edwin Hanselmann und Marek Thielemann.

Ab 1999 gehörte NGM ganz zu Thalacker Medien. 2001 feierte die Gärtnerbörse ihr 100-jähriges Bestehen und erhielt mit der Jubiläumsausgabe ein neues Layout. Seit Anfang 2002 ist Dr. Heinrich Dreßler verantwortlicher Redakteur, er begann im Mai 1996 als Volontär in der Gärtnerbörse-Redaktion. 2002 startete der Internet-Auftritt der Gärtnerbörse.

2005 übernahm die britische Haymarket-Mediengruppe den Verlag. Seit 2006 erscheint die Gärtnerbörse monatlich, seit 2016 mit vier Doppelausgaben. 2009 erhielt das Heft eine optische Auffrischung und eine klarere Struktur, die bei der erneuten Auffrischung im Jahr 2014 erhalten blieb. Von 2006 bis 2015 gab es zusätzlich zum Heft einmal im Jahr das „Branchenbuch Zierpflanzenbau“, die letzten beiden Ausgaben als Digitalversion. Seit 2006 ergänzt ein monatlicher E-Mail-Newsletter das Informationsangebot.

Titelseite der Gärtnerbörse-Erstausgabe vom 5. Oktober 1901

Titelköpfe im Wandel der Zeit – Zierpflanzen standen immer im Mittelpunkt

Verbreitungsgebiet der Gärtnerbörse 1914: Westdeutschland